Klare Regeln schaffen statt kriminalisieren – Cannabiskontrollgesetz einführen !!

Der „Bergsträßer-Anzeiger“ hat mich zum Thema „Cannabis-Legalisierung“ interviewt. Auch hier eine klare Aussage:

Für eine Drogenpolitik, die auf Prävention, Jugendschutz und Selbstbestimmung setzt.“

Auch klar ist: Jugendschutz und Prävention stehen an erster Stelle, eine Verharmlosung von Drogen steht nicht zur Debatte , ebensowenig wie eine Freigabe weiterer Drogen.

Nachfolgend das komplette Interview (Bergsträßer-Anzeiger vom 30.08.2017):

„Bergstraße.„Legalize it!“ So lautet der Aufruf, den Matthias Schimpf auf der Facebook-Seite des BA hinterlassen hat. Damit positioniert sich der Fraktionsvorsitzende der Lorscher Grünen sowie frühere Vize-Landrat und Kreisbeigeordnete deutlich für eine Legalisierung von Cannabis in Deutschland. Und das, obwohl die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, vor dem Stoff und dessen Verharmlosung erst vor Kurzem gewarnt hat. Dem BA stand Schimpf deswegen Rede und Antwort.

Laut einer Studie haben 6,1 Prozent der Erwachsenen in Deutschland innerhalb der vergangenen zwölf Monate Cannabis konsumiert, Herr Schimpf. Sie . . .

Matthias Schimpf: Nein, da gehöre ich nicht dazu.

Haben Sie Erfahrungen mit Marihuana?

Schimpf: Nur ganz wenige. Mit 24 Jahren habe ich es zwei Mal in einer Runde probiert, als ich an der Verwaltungshochschule in Rotenburg studiert habe. Aber das ist ja ewig her.

Wieso sprechen Sie sich dann für die Legalisierung von Cannabis in Deutschland aus?

Schimpf: Es geht nicht darum, dass jeder nach einem Joint greifen kann, wie er lustig ist, sondern es geht den Grünen darum, auf ein gesellschaftliches Phänomen zu reagieren. Andere Drogen können völlig legal im Supermarkt erworben werden – nämlich Alkohol und Zigaretten. Nicht zuletzt geht es auch darum, den illegalen Handel mit Cannabis einzudämmen. Dass in der Vergangenheit die Strafen für solche Delikte verschärft wurden, hat ja nichts gebracht.

Kritiker werden jetzt wieder von den Grünen als Haschbrüdern sprechen.

Schimpf: Unsere Botschaft ist nicht, dass jetzt alle kiffen sollen. Wir wollen vor allem den Schwarzmarkt und sein kriminelles Umfeld austrocknen. Eine Studie des Bundesgesundheitsministeriums hat 2007 übrigens auch keine Belege dafür gefunden, dass Cannabis einen Einstieg zu härteren Drogen darstellt. Diesen Zusammenhang gibt es ja auch nicht zwischen Kaffee und Tabak.

Wie könnte der legale Erwerb künftig aussehen?

Schimpf: Ich verfolge den Ansatz von drei Säulen: Prävention, Regulierung und Schadensminderung. Prävention bedeutet, dass über alle Drogen und ihre schädliche Wirkung – egal, ob legal oder illegal – umfassend aufgeklärt werden muss. Dazu gehört auch die Tatsache, dass Drogen für Kinder und Jugendliche besonders schädlich sind. Reguliert wird der Handel mit einem Cannabiskontrollgesetz, das definiert, wie und wo Cannabis gekauft werden kann. Unter Schadensminderung verstehe ich unter anderem, dass Werbung für Drogen insgesamt eingedämmt werden muss. Es kann und wird ja nicht sein, dass zwischen den Mainzelmännchen und den Heute-Nachrichten Cannabis angepriesen wird.

Und wo genau sollte Cannabis Ihrer Meinung nach verkauft werden?

Schimpf: Nur in lizenzierten Fachgeschäften. Obwohl man davon ausgehen muss, dass jeder mündige Erwachsene vernünftig mit dem Produkt umgehen können sollte, darf Cannabis natürlich nicht im Supermarkt neben dem Pils stehen. Möglicherweise könnte es auch in Apotheken vertrieben werden.

Macht es das Dealern aber nicht auch einfacher, an die Droge zu kommen?

Schimpf: Jeder könnte Cannabis völlig legal erwerben – das entzieht den Dealern die Geschäftsgrundlage.

Und Kindern und Jugendlichen?

Schimpf: Wer Cannabis kauft, muss 18 Jahre alt sein, klar. Verhindern, dass auch Minderjährige damit in Berührung kommen, kann man nie. Das gilt auch für Alkohol oder Zigaretten. In jeder Gruppe gibt es einen 18-Jährigen, der den Wodka kauft, und drei 15-Jährige, die mittrinken. Und machen wir uns nichts vor: Wer Cannabis kaufen will, bekommt es heutzutage leicht an jeder Ecke.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung warnt davor, Cannabis zu verharmlosen.

Schimpf: Keine Drogen dürfen verharmlost werden. Sie alle – auch Alkohol und Tabak – sind Substanzen, die den Körper schädigen.

Stellt die Legalisierung aber nicht eine Verharmlosung dar?

Schimpf: Nein, das sehe ich nicht so. Vielmehr werden durch das Cannabis-Verbot derzeit alle Konsumenten kriminalisiert. Verharmlost wurden in der Vergangenheit viel eher Zigaretten, die in der Werbung vom Marlboro-Cowboy angepriesen wurden. Mittlerweile sind wenigstens entsprechende Warnhinweise auf Zigarettenschachteln abgebildet. Bei alkoholischen Getränken fehlt ein Warnhinweis bis heute.

Schon jetzt steigt der Cannabis-Konsum in Deutschland. Werden die Zahlen nicht explodieren, wenn die Droge erlaubt wird?

Schimpf: Nein, in anderen europäischen Ländern wie Portugal, der Schweiz, Tschechien oder eben den Niederlanden sind die Konsumentenzahlen nach der Legalisierung nicht gestiegen. Für Deutschland haben wir derzeit keine verlässlichen Zahlen, weil der Handel eben ausschließlich über den Schwarzmarkt läuft. Die Strafverfolgung von Drogenvergehen kostet den Staat jedes Jahr vier bis sechs Milliarden Euro, allein im Jahr 2016 gab es etwa 145 000 Strafverfahren wegen illegalen Cannabis-Konsums. Ich glaube, es wäre sinnvoller, dieses Geld in wirksame und glaubwürdige Prävention und Aufklärung zu stecken und somit die Justizbehörden durch die Legalisierung zu entlasten.

Laut Mortler nimmt der Druck in der Gesellschaft zu, Cannabis zu legalisieren. Spüren Sie das auch?

Schimpf: Das kocht immer mal wieder hoch, die Gesellschaft wandelt sich eben. Was in den Nachbarländern in dieser Hinsicht passiert, bekommen die Menschen in Deutschland ja mit – und damit wird die Cannabis-Legalisierung zum Thema für jede Bundesregierung. Nicht nur für die Grünen.

Und mit welcher Partei könnten die Grünen ihre Forderung am ehesten umsetzen?

Schimpf: Ich erkenne in allen Parteien Ansätze, in dieser Frage zu handeln – gerade auch bei der FDP und inzwischen auch in Teilen der CDU.“